Oberstleutnant i.G. a.D. Jörg Barandat gehört zu den renommiertesten Experten in Deutschland für Fragen der regionalen und der weltweiten Wasserversorgung. Sogar bei den Vereinten Nationen war sein Rat schon gefragt. Der ehemalige Dozent an der der Führungsakademie der Bundeswehr und Berater zahlreicher politischer Organisationen referierte auf Einladung des Freundeskreises Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing über das Thema „Die Ressource Wasser – zwischen Sicherheitsfaktor, Machtpotential und Waffe in der Zuspitzung globaler Krisen“. Was im Thema schon zusammengefasst formuliert ist untermauerte der Referent mit zahlreichen Fakten und dringenden Forderungen an die Politik. Generell sieht Barandat das Thema Wasser eingebettet mitten in ein Netzwerk von nationalen und internationalen „Konflikt-Konglomeraten“. Und er sagt „Eine Veränderung bei einem Thema löst Folgewirkungen in fast allen anderen Bereichen aus“ Und meistens spiele das Wasser dabei meine große Rolle. Konkret könne man diese Zusammenhänge unter anderem am Beziehungsdreieck Klima, Wirtschaft und Wasser aufzeigen, erläutert Barandat. Alle drei Faktoren stünden in einem direkten Zusammenhang. Klimawandel reduziere das nutzbare Wasserangebot. Eine wachsende Wirtschaft in Verbindung mit einer zunehmenden Verstädterung führe zu immer höherem Wasserbedarf. Auch seien die Themen Wasser- und Energieversorgung eng miteinander verbunden, was unter anderem am Beispiel des hohen Wasserbedarfs in der Wasserstofftechnik aufgezeigt werden könne. Barandat sieht bei der Politik ein „Defizit an systematischem Denken“, weil Wasserversorgung und Energieversorgung selten zusammen behandelt würden. „Ohne Strom kann kein Wasser in die Leitungen gepumpt werden“ stellt der Experte fest. Und auf Störungen in der Wasserversorgung sei Deutschland viel zu wenig vorbereitet. Die Ansiedlung des Teslawerks in Brandenburg hätten die Defizite in einem vernetzten Denken deutlich aufgezeigt - spätestens als die Auswirkungen auf die Wasserreservoire der Region bekannt wurden. Die weltweite Bedeutung des Themas Wasserversorgung wurde im Vortrag mit zahlreichen Beispielen wie unter anderem den Konflikten um das Jordan-Wasser belegt Weniger als ein Prozent des weltweiten, überwiegend aus Salzwasser bestehenden Wasserbestandes, kann laut Barandat als verfügbares Grundwasser vom Menschen genutzt werden. Und der ansteigende Meeresspiegel reduziere diese Menge weiterhin. „Der Kreislauf funktioniert nur, wenn die biologischen Grundlagen erhalten bleiben“ sagt der Experte und kritisiert Waldrodungen, die industrielle Landwirtschaft sowie die sogenannten Megastädte, die ihrem Umfeld das Wasser wegsaugten. Und er rechnet vor „ eine Orange braucht 40 Liter Wasser“. Eine explosionsartig wachsende Datenverarbeitung im Rahmen der Digitalisierung erfordere immer höhere Wassermengen für Kühlungsprozesse. Barandat prognostiziert auch für Deutschland „zunehmende regionale Nutzungskonflikte“ um das Wasser („russische Tundra geht nach Westen“) und verweist auf die schon vielfach erforderlichen Fernwasserleitungen. Insgesamt gesehen sieht Barandat beim Thema Wasser „keine Erkenntnis-, sondern Umsetzungsdefizite“ und fordert „politische Bereitschaft Führung zu übernehmen und der Bevölkerung die Wahrheit dazu zu sagen“. Notwendig seien Kooperationsgewinne der Beteiligten und nicht „Nullsummenspiele“.