Für manche ist es vielleicht das erste Mal im Wald. Die Ganztagesklasse der dritten Jahrgangsstufe an der Hans-Scholl-Grundschule Burglengenfeld hatte im Unterricht Vogelhäuser konstruiert, die sie nun im Stadtwald zusammen mit Förster Reinhold Weigert, ihren Lehrern und den Vogelfreunden aufhängten. Entstanden waren die Vogelhäuschen im Rahmen des Projektes KiTEc, bei dem drei ehemalige Ingenieure der Firma Heidelberg Materials in die Klasse kommen und die Schüler ganz praktisch an Technik heranführen. Förster Weigert freut sich über diese gute Kooperation, die „Naturerleben und Technik miteinander verbindet”.
Schüler sollen Natur erleben können „Ich gehe eigentlich nie zu Fuß.” Solche Aussagen hört Michaela Joppien gar nicht selten von ihren Schülern. Umso wichtiger findet die 2. Konrektorin der Grundschule Burglengenfeld, dass sie zumindest in der Schule die Kinder nach Draußen bringt und die Natur erleben lässt. Mit Förster Reinhold Weigert vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regensburg-Schwandorf organisiert sie darum regelmäßig Waldführungen für ihre Schüler. Außerdem besucht sie mit ihren Klassen das Walderlebniszentrum in Regensburg und nutzt die dortigen Angebote für Schulklassen.
Lernen mit allen Sinnen Joppiens Schüler sind, was Naturerfahrungen angeht, bunt gemischt. Der Vater eines Mädchens ist Jäger, wie sie stolz erzählt. Andere hingegen fremdeln mit der Natur, haben noch nie bewusst eine Hummel oder Biene wahrgenommen und müssen sich erst einmal an das ungewohnte Gelände mit Ästen und Sträuchern gewöhnen. Ein richtiger Kontrast zum normalen Unterricht, findet Joppien. Auch wenn sie dort Blätter und Rinde mitbringe, sei das bei weitem nicht so eindringlich. „Hier können die Schüler den Wald mit allen Sinnen wahrnehmen, den Geruch aufsaugen, Ameisenhaufen und andere Tiere des Waldes erleben und beobachten”, so die Grundschullehrerin. Das hinterlasse einen viel nachhaltigeren Eindruck.
Holz ist wertvoller Rohstoff Die Kinder finden schnell Gefallen am Wald. Doch wenn sie Stümpfe gefällter Bäume sehen, fragen sie schon einmal kritisch nach, warum das sein muss, so Förster Weigert. Er frage die Kinder dann, aus was der Tisch bestehe, an dem sie gefrühstückt oder das Bett, in dem sie geschlafen haben. „Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, wie oft wir den Rohstoff Holz eigentlich brauchen, und dafür, dass er besonders nachhaltig ist.” Schließlich sind auch die Vogelhäuser, die die Schüler selbst gebaut haben und nun aufhängen, aus Holz gefertigt.
Schule kooperiert mit Heidelberg Materials Mit Konstruktionstechnik haben viele der Kinder ebenso wenig Berührungspunkte wie mit dem Wald. Deshalb nimmt die Schule schon seit 2009 an dem Programm „KiTec – Kinder entdecken Technik” teil. Sie hat dazu mit der Firma Heidelberg Materials eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Seitdem kommen jeden Donnerstag die beiden Ingenieure im Ruhestand, Paul Gejdosch und Günther Schleicher, in die Klasse und tasten sich Schritt für Schritt an immer größere Technikprojekte heran. Es beginnt mit einem Werkzeugführerschein, geht weiter mit kleinen Futterhäuschen, den Vogelhäusern bis hin zu kleinen Kippern. Verstärkt werden die beiden mittlerweile auch durch den ehemaligen Werksleiter, Wilhelm Lotz. „Unser Ziel ist es, die Kinder früh zur Technik hinzuführen und ihnen positive Erlebnisse zu ermöglichen”, sind sich die drei Ingenieure einig.
Nistkästen werden von Vogelfreunden gepflegt Die 28 bis 30 mm dicken Löcher, die genau die richtige Größe für Blau – und Tannenmeisen haben, haben die drei aus Sicherheitsgründen dann doch selber ausgeschnitten. Nun hängen sie, mit Alunägeln, die den Bäumen nicht schaden, im Burglengenfelder Stadtwald. Dort pflegen sie die Natur- und Vogelfreunde Burglengenfeld. Denn, wie Peter Schrembs und der Vorsitzende Manfred Jehl erklärten: „Die Kästen müssen wir jedes Jahr reinigen. Findet die Meise ein altes Nest vom Vorjahr vor, nimmt es den Kasten nämlich nicht an.”