Der Franziskuskreis des Klosters St. Felix besuchte gemeinsam mit Pater Stanisław Śliwiński das KZ Flossenbürg. Anlass war der 80. Gedenktag an den gewaltsamen Tod von Dietrich Bonhoeffer am 9.4.1945. Oberstleutnant a.D. Bernd Henn führte die Gruppe mit fundiertem Wissen über Anfänge, Organisation und Maschinerie der Konzentrations- und Vernichtungslager in der Zeit des Nationalsozialismus. Betroffen und nachdenklich hörten die Teilnehmer von den Häftlingen im Konzentrationslager Flossenbürg, welche verhungerten, erfroren, zu Tode geschunden wurden. Polnische Gefangene, ausländische Zwangsarbeiter, sowjetische Kriegsgefangene; kranke, alte oder behinderte KZ-Häftlinge wurden von der SS in gezielten Aktionen ermordet. Kurz vor Kriegsende waren auch viele Widerstandskämpfer unter den Opfern.
Doch es gab auch Menschlichkeit inmitten des Grauens. Dietrich Bonhoeffer kritisierte das nationalsozialistische Regime von Anfang an für dessen Rassenpolitik und wurde Mitglied der Bekennenden Kirche, die sich gegen die Hitler-treuen Deutschen Christen wendete. In einer Zeit, in der es besonders schwer war, aufrichtig und geradlinig zu bleiben, stellte sich Dietrich Bonhoeffer die Frage: Wie kann ein Christ seinem Gewissen folgen und verantwortlich Entscheidungen treffen? Christ sein konnte man nach Bonhoeffers Überzeugung nur in der „Gemeinschaft der Glaubenden“. So lautete eine von Bonhoeffers einprägsamen Formulierungen: „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“. Bonhoeffer wollte vermitteln, wie wichtig es ist, aus einer echten inneren Christusverbindung heraus zu leben, denn in der Nachfolge Christi darf ein Christ nicht einfach von Gottes Liebe und Vergebung ausgehen und sich darauf ausruhen, sondern er muss ernsthaft versuchen, Gottes Willen für sich zu erkennen, und danach zu handeln. Als aufrichtiger Mensch und verantwortungsbewusster Christ ging er seinen Weg der Nachfolge bis zum Ende: Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg gehängt. Seine letzten Worte waren nach Zeugenbericht: „Dies ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“