Sonja Kellner und 1. Vorsitzende; Dr. Manfred Hausel. (Bild: Melanie Weber)

Letzter Ausweg oder unbeachtete Alternativen? Vortrag zu Sterbehilfe bewegt Schwandorfer Publikum

Rund 45 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer nahmen am 20. März an einem bewegenden Vortrag von Dr. Manfred Hausel teil. Unter dem Titel „Sterbehilfe und assistierter Suizid – zwischen Recht, Ethik und medizinischer Praxis” sprach der Ethikberater von Pallicura, der das Palliative-Care-Team der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) im Landkreis Schwandorf unterstützt, über eines der sensibelsten Themen unserer Zeit. Der Vortrag war eine Kooperationsveranstaltung des Pallicura Fördervereins und der vhs Schwandorf. Im Zentrum standen Fragen wie: Was bedeutet „assistierter Suizid” im rechtlichen Sinne? Welche medizinischen und ethischen Konflikte ergeben sich daraus – für Ärztinnen und Ärzte, Betroffene, Angehörige und Pflegende? Und was kann die Palliativ- und Hospizversorgung leisten, wenn der Wunsch zu sterben laut wird? Dr. Hausel spannte einen weiten Bogen – von Formen der Sterbehilfe wie passiver, indirekter und aktiver Sterbehilfe bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rolle von Sterbehilfevereinen. Besonders eindrücklich war die Fallbeschreibung einer an ALS erkrankten Patientin: vollständig gelähmt, künstlich beatmet, geistig klar – und mit dem Wunsch, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Solche Grenzsituationen machen die Vielschichtigkeit des Themas deutlich. Ein zentrales Anliegen des Abends war es, den Unterschied zwischen dem Wunsch zu sterben und dem Wunsch, nicht mehr so leben zu müssen, herauszuarbeiten. „Viele sagen nicht: Ich will sterben, sondern: Ich will nicht mehr leben, wie es gerade ist – weil Schmerzen, Atemnot oder Angst unerträglich geworden sind”, betonte Dr. Hausel. Oft könnten palliative Maßnahmen die Lebensqualität deutlich verbessern – doch fehlende Aufklärung führe dazu, dass der assistierte Suizid als einziger Ausweg erscheine. Die anschließende Diskussion war offen und bewegend. Viele der Anwesenden – vor allem pflegende Angehörige – berichteten von ihren enormen Belastungen. Einige teilten sehr persönliche Erfahrungen mit Suizid in der Familie. In einzelnen Fällen wurden drastische Wege gewählt, weil professionelle Hilfe nicht erreichbar war. Hier wurde deutlich, wie groß der Bedarf nach Begleitung, Entlastung und klaren rechtlichen Regelungen ist. Auch rechtliche Fragen wurden thematisiert: etwa, wie Betroffene Zugang zu Medikamenten zur Selbsttötung erhalten. Dr. Hausel erklärte, dass zwar grundsätzlich Ärztinnen und Ärzte solche Mittel verordnen dürften – viele dies aber aus ethischen Gründen ablehnen. In der Praxis übernehmen diese Rolle daher meist Sterbehilfevereine. Trotz der Schwere des Themas war die Atmosphäre geprägt von Respekt, Empathie und dem gemeinsamen Wunsch nach mehr Offenheit im Umgang mit dem Lebensende. Der Abend zeigte eindrücklich, wie notwendig solche Räume für Austausch und Information sind – gerade für Menschen, die mit Krankheit, Leid und Abschied konfrontiert sind.
Die neue Vorstandschaft: Erhard Sailer (Beisitzer), Petra Thierauf-Götz (2. Vorsitzende), Sonja Kellner (1. Vorsitzende), Juliane Schießl-Götz (Schatzmeisterin), Christine Walter (Beisitzerin)-von links. (Bild: Claudia Berger)

Neuwahlen und neue Projekte beim Pallicura Förderverein

Am 21. November 2024 fand die jährliche Mitgliederversammlung des Pallicura Förderverein e.V. im Vereinsbüro in Schwandorf statt. Neben den turnusmäßigen Neuwahlen der Vorstandschaft, die nun mit frischem Elan die Geschicke des Vereins lenken wird, standen wichtige Projekte und Pläne auf der Agenda. Im Rückblick berichtete die 1. Vorsitzende Sonja Kellner über spendenorientierte Leistungen wie die Ethikberatung, Atemtherapie und die durchgeführten Kurse der Akademie. Ein besonderes Highlight war der Vortrag am 14. März 2024 mit dem Titel „Wenn Kinder und Jugendliche trauern”, geleitet von Frau Dr. Sabine Holzschuh (Pastoralreferentin, Sozialpädagogin, Trauerbegleiterin). Die Veranstaltung war sehr gut besucht und hinterließ einen bleibenden Eindruck bei den Teilnehmenden. Der jährliche Gedenkgottesdienst für verstorbene Patienten, die vom Palliativteam begleitet wurden, fand am 17. November 2024 in der Pfarrkirche St. Georg in Klardorf statt. Im Anschluss lud der Verein die teilnehmenden Angehörigen zu Kaffee und Kuchen ein, was in einer warmherzigen Atmosphäre regen Austausch ermöglichte. Die 1. Vorsitzende bedankte sich bei allen Mitgliedern und Unterstützern für ihr Engagement und ihre Mithilfe bei der Umsetzung dieser Angebote. Nach dem Tätigkeitsbericht folgte der Finanzbericht der Schatzmeisterin sowie die Entlastung der Vorstandschaft. Nach den Wahlen stellte der Verein seine neue Vorstandschaft vor, die sich mit frischem Engagement den kommenden Herausforderungen widmen möchte. Gemeinsam möchten die Vorstandsmitglieder die bisherigen Angebote des Vereins weiterführen und neue Ideen verwirklichen. Das Ergebnis der Neuwahlen: • 1. Vorsitzende: Sonja Kellner • 2. Vorsitzende: Petra Thierauf-Götz • Schatzmeisterin: Juliane Schießl-Götz • Beisitzer: Christine Walter und Erhard Sailer • Kassenprüfer: Daniela Gruber und Albert Hackl Ein zentrales Thema der Versammlung war das aktuelle Spendenprojekt des Vereins: die Einrichtung einer qualifizierten Trauerbegleitung, geleitet von der erfahrenen Palliative-Care-Fachkraft und ausgebildeten Trauerbegleiterin Petra. Dieses Angebot richtet sich an Familien, die vom Palliativteam Pallicura begleitet wurden und Unterstützung in ihrer Trauerphase suchen. Ergänzend dazu plant der Verein einen besonderen Koch- und Backkurs für Witwer, die sich in einem aktiven Trauerprozess befinden und offen für neue Wege der Bewältigung sind. Der Kurs soll nicht nur praktische Küchenfertigkeiten vermitteln, sondern auch Raum für Gemeinschaft, Austausch und gegenseitige Unterstützung in einem geschützten Rahmen bieten. Der Verein blickt auch bereits in die Zukunft: Am 20. März 2025 lädt er in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Schwandorf zu einem Vortragsabend mit Dr. Manfred Hausel ein. Der ambulante Ethikberater des Vereins wird über das hochaktuelle Thema der aktiven Sterbehilfe referieren und dabei ethische sowie rechtliche Fragestellungen beleuchten. Zudem freut sich der Verein, auch im kommenden Jahr wieder Teil des Schwandorfer Bürgerfests zu sein. Mit der beliebten Spendenaktion „Bürgerfesthut” unter dem Motto „Ein alter Hut tut gut” wird der Pallicura Förderverein fantasievoll geschmückte Hüte zum Verkauf anbieten. Die Aktion verbindet Kreativität mit einem guten Zweck, da der Erlös vollständig in soziale Projekte in der Region fließen wird. Auch 2025 wird wieder ein Palliative Care Basiskurs angeboten. Die bisherigen Kurse erhielten durchweg positive Rückmeldungen von den Teilnehmenden. Für das kommende Jahr sind noch einige Plätze frei, und interessierte Personen können sich gerne anmelden. Einladung zur Unterstützung Der Pallicura Förderverein e.V. setzt sich seit Jahren für eine umfassende palliative Betreuung ein – ein Anliegen, das ohne Unterstützung von außen nicht möglich ist. „Wir laden alle herzlich ein, uns bei unseren Projekten zu unterstützen, sei es durch Spenden oder durch eine Mitgliedschaft”, so Sonja Kellner (1. Vorsitzende).
Dr. Sabine Holzschuh. (Bild: Sonja Kellner)

Pallicura präsentiert Vortrag über Trauer bei Kindern und Jugendlichen

Der Pallicura Förderverein hat im Rahmen seiner beliebten Vortragsreihe „Mit Verlust und Trauer leben” einen informativen Abend unter dem Titel „Wenn Kinder und Jugendliche trauern” mit Dr. Sabine Holzschuh veranstaltet. Die spendenfinanzierte Veranstaltung zog rund 50 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer an und bot wertvolle Einblicke in die Thematik der Kinder- und Jugendtrauer. Dr. Holzschuh, erfahrene Sozialpädagogin, Pastoralreferentin und Trauerbegleiterin, präsentierte anhand von vier anschaulichen Beispielen, wie Kinder und Jugendliche den Prozess der Trauer erleben. Ein besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Herausforderungen, denen Kinder und Jugendliche in Trauersituationen gegenüberstehen. Ein Beispiel war die Geschichte eines Mädchens, dem der Besuch ihres Großvaters auf der Palliativstation verwehrt wurde. Dr. Holzschuh betonte die Bedeutung von Ehrlichkeit im Umgang mit dem Thema Tod und Sterben und wies darauf hin, dass es für die Verarbeitung von Verlust wichtig ist, Abschied nehmen zu können. Die Teilnehmenden zeigten großes Interesse am Thema und hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen und aktiv am Vortrag teilzunehmen. Auch nach dem offiziellen Ende fand ein lebhafter Austausch mit der Referentin und untereinander statt, was die Relevanz und den Bedarf an solchen Veranstaltungen unterstrich. „Wir freuen uns über die positive Resonanz auf unseren Vortrag und möchten uns herzlich bei Dr. Sabine Holzschuh für ihre inspirierenden Einblicke bedanken”, sagte Sonja Kellner, 1. Vorsitzende des Vereins. „Es ist uns ein Anliegen, Menschen in Trauersituationen zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, über ihre Gefühle und Erfahrungen zu sprechen.” Der Pallicura Förderverein setzt sich weiterhin dafür ein, Hilfsangebote für Palliativpatienten und ihre Familien anzubieten und bedankt sich bei allen Teilnehmenden für ihr Interesse und ihre Unterstützung.
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