Von wegen, eine Ruine ist nutzlos! Dass eine Industriebrache durchaus noch ein sinnvoller Ort sein kann, zeigte sich an den beiden vergangenen Wochenende auf dem weitläufigen Gelände der ehemaligen Mälzerei Zeitler im Kulmbacher Stadtteil Blaich. Vor Wochen hat das Helmbrechtser Spezialunternehmen Fickenscher mit dem Abriss der zahlreichen Gebäude begonnen, wo bis 2027 das neue „Grüne Zentrum“ entstehen soll. Nun dienten die Ruinen und Geröllhalden als Schauplatz von Großübungen verschiedener Einsatzkräfte. U. a. probten die THW-Ortsgruppen aus Kulmbach, Schweinfurt, Bamberg und Sulzbach-Rosenberg sowie die BRK-Rettungs-Hundestaffel aus Hof den Ernstfall. Beteiligt waren auch Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Kulmbach, die mit einer Drehleiter angerückt waren.

Viele Autofahrer, die an den beiden vergangenen Samstagen die Hofer Straße passierten, wunderten sich nicht nur über das Gefahrenschild „Vorsicht, Einsatz!“, das am Straßenrand platziert war, sondern auch über die vielen Einsatzfahrzeuge von THW, Rotes Kreuz und Feuerwehr, die in der Nähe oder auf dem Gelände der ehemaligen Mälzerei Zeitler parkten. Glücklicherweise handelte es sich nicht um einen Ernstfall, sondern „nur“ um überörtliche Großübungen, die allerdings möglichst realistisch sein sollten.
Angenommen wurde ein unkontrollierter Einsturz eines alten Industriegebäudes im Rahmen von Abrissarbeiten. Dabei wurden mehrere Personen als vermisst gemeldet.
Aufgabe der THW-Kräfte war zunächst die Ortung und Rettung von verschütteten Personen aus dem Trümmerbereich. Hierfür ist das THW besonders ausgebildet und hält diverses Spezialgerät für die Rettung verschütteter Personen vor.
Im Nachgang wurden die Ortungsmaßnahmen durch ausgebildete Trümmersuchhunde des BRK intensiviert, wodurch weitere vermisste Personen geortet und anschließend durch die THW-Kräfte gerettet werden konnten.
Parallel dazu sicherte das THW die angeschlagene Gebäudestruktur mittels Abstütztechnik. Hier kam auch ein neu beschafftes THW-Abstützsystem, das in den Ortsverbänden Schweinfurt und Bamberg stationiert ist, zum Einsatz.
Da das Betreten eines Abrissobjektes nicht gefahrlos möglich ist, waren Spezialisten vom THW, sogenannte Baufachberater, inklusive Sicherungssystem aus dem Ortsverband Schweinfurt eingesetzt. Mittels lasergestützter Vermessungsgeräte können hiermit Gebäudebewegungen dreidimensional im Millimeter-Bereich wahrgenommen und somit eine Gefährdung der Einsatzkräfte ausgeschlossen werden.
Vergangenes Wochenende übte der THW Ortsverband Sulzbach-Rosenberg nochmals auf dem Gelände. Die Ortungskomponente des THW bringt nicht nur spezielle Trümmer-Rettungshunde sondern auch diverse technische Ortungsgeräte zum Einsatz, mit denen verschüttete Personen optisch und akustisch geortet werden können. Besonderheit der Trümmer- bzw. Rettungshunde: Sie sind nochmals speziell für die Arbeit in Trümmerbereichen ausgebildet und kommen im Auftrag der Bundesregierung auch bei Schadenslagen im Ausland, wie z. B. bei schweren Erdbeben, zum Einsatz.