Viele interessierte Besucher fanden den Weg zu Philipp Karch, der in diesem Jahr den Hauptvortrag beim Amberger Seminar des BLLV hielt. (Bild: Florian Fuchs)

Amberger Seminar 2024 des BLLV in Kümmersbruck

„Mensch ärgere dich nicht“ – unter diesem Motto stand das 62. Amberger Seminar, das an der Mittelschule Kümmersbruck stattfand. Der Ort für dieses Motto hätte nicht besser gewählt werden können, wurde doch das beliebte Gesellschaftsspiel in Amberg erfunden. Was jedoch im Spiel Spaß macht und für Spannung sorgt, ist, was den Lehreralltag anbelangt, durchaus zermürbend: der Ärger. Wie kann man mit Konflikten und Ärger umgehen und vor allem wie kommt es, dass man sich ärgert, dies stand heuer im Zentrum der größten Lehrerfortbildungsveranstaltung der Oberpfalz. Hauptredner des Hauptvortags war Philipp Karch. Organisiert wurde die zweitägige berufswissenschaftliche Fortbildungsveranstaltung vom Bayerischen Lehrerinnen und Lehrerverband (BLLV) Oberpfalz. In 30 Workshop konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Eindrücke sammeln und interessante Impulse mit in den eigenen Unterricht nehmen. BLLV - Bezirksvorsitzender Manuel Sennert umriss gleich zu Beginn des Hauptvortrags die Bedeutung des Themas für die Pädagogen: „Es geht um die Gesundheit“. Er skizzierte kurz einen Tag an einer Schule, der unter Umständen mit der Suche nach dem Parkplatz, Vertretung, weil keine Mobile Reserve zur Verfügung steht, Absprachen mit Kollegen wegen eines Prüfungsprojekts, Probearbeiten und ein schwieriges Elterngespräch steht. Ärger ist da vorprogrammiert. Doch – Wie nah soll ich meinen Ärger an mich heranlassen, wie resilient bin ich denn eigentlich? Laut einer Forsa-Studie vom letzten Jahr geben 57 Prozent der befragten Schulleitungen aus Bayern an, dass die Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Jahren aufgrund von physischen Erkrankungen ausgefallen sind, permanent zugenommen haben. Ebenso sieht es bei psychischen Erkrankungen aus. Der überwiegende Teil der Lehrkräfte an Grund-, Mittel- und Förderschulen schätzt die Arbeitsbelastung als zu hoch ein. Möglichkeiten und Ideen zu Entlastungen gibt es zu genüge. Ein breites Handlungsfeld, für das in diesem Jahr Philipp Karch gewonnen werden konnte. Sein Vortrag zum Thema „Mensch, ärgere dich nicht: Was mich ärgert, entscheide ich selbst! Konflikte erfolgreich meistern!“ ist wichtig für die heutige Zeit, in der Vieles oftmals schnell hoch kocht. Wer in schwierigen Gesprächssituationen souverän und gelassen bleiben will, sei es im Einzelgespräch mit dem Chef, im Meeting mit Kollegen und Kolleginnen oder beim Vortrag auf der Bühne – man bracht ein ganzes Set an mentalen, emotionalen und kommunikativen Kompetenzen. Bei diesem Vortrag und anschließenden Workshops vermittelte der Referent ausgewählte Haltungen, Strategien und Techniken, wie man sich weniger oft, weniger selten und weniger lange und weniger heftig über andere ärgern kann. Philipp Karch stellte ein zehnstufiges Anti – Ärger – Modell vor, mit dem man Schritt für Schritt den Ärger reduzieren und sich dabei selbst auf die Schliche, warum man sich eigentlich ärgert, kommen konnte. Fazit: Der Ärger über andere hat immer auch mit jemanden selbst zu tun. Er plädierte für eine neue Ärger-Intelligenz. Dabei sind mehr Eigenverantwortung, Nüchternheit und Ausgewogenheit wichtig, bei Ärger den Schalter umlegen, Festgefahrenes neu bewerten und den Ärger loslassen. Mit seiner überaus kompetenten und eloquenten Art überzeugte Philipp Karch die zahlreichen Zuhörer und die in den anschließenden Workshops erworbenen Techniken im Umgang mit dem Thema Ärger wird sicher vielen Pädagogen in ihrer Praxis helfen. Doch das Fortbildungsangebot dieses 62. Amberger Seminar war breit gefächert. So standen beispielsweise Workshops wie „Lerntraining im Unterricht“, „Tools für mehr glückliche Momente“, „Medienbildung mit Lie Detectors“, „Rechenschwierigkeiten vorbeugen“, „Top Standing“, „Mit KI-Tools Unterricht vorbereiten“, „Kinderstärken im Klassenzimmer“, „Systematische Leseförderung“, „Sicherheitstraining und Selbstverteidigung“ auf dem Programm. Auch dienstrechtliche Belange und Fragen zur Besoldung konnten angebracht werden. Auch für die Fachlehrer standen etliche Workshops zur Verfügung. Zudem fanden sich viele musische und künstlerische Themen in den Workshops. Mit diesem breiten Angebot war dieses Amberger Seminar sicher ein wertvolles Fortbildungswochenende.
Hinten von links: Tanja Fahrnholz, Maria Berger-Liehm, Thomas Gebele, Annette Weber, Paul Andermann, Ulrike Keloe, Kurt Schneider, Charlotte Hiltl, Udo Behn, Heinz Kotzbauer, Karin Gruschwitz, Heinz Neudecker, Renate Schindlbeck, Manuel Sennert, Albert Schindlbeck, Ingeborg Weiss. Sitzend von links: Michael Lautenschlager, Hubert Druckseis, Helga Schlosser, Renate Kißeler. (Bild: Philipp Laurer)

BLLV-Ehrungsabend 2024: Ein Zeichen der Gemeinschaft und des Engagements

Im festlichen Rahmen des Ehrungsabends des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands wurden zahlreiche Mitglieder für ihre jahrzehntelangen Verdienste in der Bildungslandschaft ausgezeichnet. Tanja Fahrnholz, die Vorsitzende des Kreisverbands Amberg-Stadt, begrüßte die Anwesenden herzlich und würdigte die starke Gemeinschaft des BLLV. In ihrer Eröffnungsrede betonte Fahrnholz die Errungenschaften des Verbands, darunter die Einführung von A13 für Grund- und Mittelschullehrkräfte. Sie sprach von den Herausforderungen, die Lehrerinnen und Lehrer heute bewältigen müssen, insbesondere im Hinblick auf soziale Ungleichheiten, die die Bildungschancen der Schüler beeinträchtigen. Ein Vortrag von Prof. Dr. Nina Bremm, den Fahrnholz kürzlich besuchte, unterstrich, dass nicht Migration, sondern Armut einen entscheidenden Einfluss auf den Bildungserfolg hat. „Wir brauchen alle Kinder mit ihren Talenten in unserer Gesellschaft”, so Fahrnholz. Die Ehrungen umfassten Mitglieder, die bis zu 75 Jahre dem BLLV treu geblieben sind. Besonders hervorgehoben wurden die Leistungen der Geehrten, die durch ihr Engagement und ihre Loyalität zur Stärkung des Lehrerverbands beigetragen haben. Manuel Sennert, Bezirksvorsitzender des BLLV Oberpfalz, ergänzte die Feier mit einer motivierenden Ansprache. Er berichtete über die Erfolge in der Berufsvertretung, darunter die Bereitstellung von über 2400 Beförderungsmöglichkeiten für Lehrkräfte und die Notwendigkeit, den Lehrermangel zu bekämpfen. Sennert kritisierte die bisherigen Versäumnisse der Bildungsministerien und forderte schnellere Ergebnisse im Hinblick auf die Entlastung von Schulleitungen und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. „Unser Beruf ist schön, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen”, sagte Sennert. Besonders besorgniserregend ist die hohe Anzahl an Frühpensionierungen unter Lehrkräften, die auf die zunehmende Belastung zurückzuführen ist. „Wir brauchen eine attraktive Ausbildung, um junge Menschen für den Lehrerberuf zu gewinnen”, betonte er und appellierte an alle, optimistisch und engagiert für eine bessere Bildungszukunft zu arbeiten. Ein zentrales Thema des Abends war der akute Lehrermangel, der nicht nur in Bayern, sondern europaweit ein Problem darstellt. Sennert informierte darüber, dass in der Oberpfalz die Situation an Grundschulen besorgniserregender ist als an Mittelschulen. „Wir müssen Lösungen finden und die Belastungen für die Lehrkräfte reduzieren”, forderte er. Der Ehrungsabend war nicht nur eine Feier der langjährigen Mitgliedschaft, sondern auch ein starkes Zeichen des Zusammenhalts und der Entschlossenheit der Lehrerschaft, sich für die Verbesserung der Bildungssituation einzusetzen. Der BLLV zeigt sich bereit, die Herausforderungen anzugehen und eine starke Stimme für die Belange der Lehrkräfte und ihrer Schüler zu sei.
die neue Vorstandschaft mit den drei Vorsitzenden Markus Gleißner, Michaela Bergmann, Christine Schüller und der Landesvorsitzenden Simone Fleischmann vl (Bild: Josef Popp)

Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft

Der Bayerische Lehrerinnen und Lehrerverband (BLLV) Kreisverband Amberg – Land setzt auch in den kommenden Jahren auf eine bewährte Führung, aber es gibt auch drei neue Gesichter in der Vorstandschaft. Dies war das Ergebnis der gut besuchten Mitgliederversammlung in Paulsdorf, zu der Vorsitzende Michaela Bergmann unter anderem auch die BLLV – Präsidentin Simone Fleischmann begrüßen konnte. Neben dem Kreisverband Amberg – Land gibt es im Landkreis Amberg – Sulzbach noch die Kreisverbände Amberg – Stadt, Sulzbach – Rosenberg und Vilseck. Aktuell beträgt der Mitgliederstand 193 Mitglieder. Trotz sechs verstorbener Mitglieder im vergangenen Jahr erhöhte sich der Mitgliederstand, vor drei Jahren zählte man noch 180 Mitglieder im Kreisverband Amberg. Ein Zeichen dafür, so Vorsitzende Michaela Bergmann, wie wichtig in der heutigen Zeit ein starker Verband ist. Neben der standespolitischen Vertretung hat sich der Kreisverband auch das Thema regionale Fortbildung, aber auch die Mitgliederbetreuung und Standespolitik auf die Fahnen geschrieben. In ihrem Bericht verwies die Vorsitzende zunächst auf die größte regionale Fortbildung in der Oberpfalz hin, dem Amberger Seminar, das im letzten Jahr zum 61. Mal in Kümmersbruck stattfand. Über 600 Pädagogen aus ganz Bayern kamen in die Oberpfalz um sich zu informieren und fortzubilden. Neben dem KV Amberg – Land waren auch die Kreisverbände Sulzbach – Rosenberg und Vilseck in das Amberger Seminar eingebunden. Das Amberger Seminar habe natürlich auch große Bedeutung für den Landkreis. Das 62. Amberger Seminar findet übrigens am 22. und 23. November, wieder in Kümmersbruck, statt. Nach den schwierigen Coronajahren, die auch im Kreisverband die Arbeit weitgehend lahmlegte, kam in den letzten Jahren auch das gesellige Leben wieder ins Laufen. Hier nannte die Vorsitzende Ehrungen und Geburtstagsessen, eine historische Bierführung, eine Weinführung, aber auch den Besuch des Planetariums und der Kunstausstellung in Amberg. Besonders wichtig ist es dem Kreisverband, die neuen Junglehrer im Schulamtsbezirk bei ihrem Berufseinstieg zu begleiten und zu betreuen. Für die möglichst individuelle Betreuung der verschiedenen Berufsgruppen gibt es im Kreisverband verschiedene Referate und Fachgruppen. In Punkto Standespolitik berichtete die Vorsitzende über ein standespolitisches Gespräch mit dem Mitglied des Landtags Tobias Gotthardt (Freie Wähler) über Sinn und Unsinn der Einführung einer fünften Klasse an der Wirtschaftsschule. Die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann wartete mit einer guten Nachricht auf. Ähnlich wie beim Kreisverband Amberg konnte auch in den letzten Monaten ein signifikanter Mitgliederzuwachs auf Landesebene verzeichnet werden. Der Verband hatte im Dezember 2023 über 68 000 Mitglieder und ist somit der größte Bildungsverband sowie mit Abstand die mitgliederstärkste Pädagogenorganisation in Bayern. Unser Verband, so die Präsidentin, vertritt vom Kindergarten über Grund- und Sonderschule alle Lehrkräfte beziehungsweise Erziehungs- und das Verwaltungspersonal aller weiterführenden Schularten. In ihrer Rede betonte Simone Fleischmann, dass eine nachhaltige Bildung beste Rahmenbedingungen brauche. Sich hierfür einzusetzen ist eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes. Regelmäßige Gespräche mit dem Ministerpräsidenten, verschiedenen Mitgliedern des Kabinetts sowie der Regierungen aller Regierungsbezirke gehören demnach zur tagtäglichen Arbeit. Diese ist bestimmt von einerseits Vorschläge zu Verbesserungen zu machen, andererseits Initiativen zu verhindern. Der BLLV setzt sich dafür ein, dass Bildung den Stellenwert bekommt, den sie dringend benötigt. Fleischmann weiter: „Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft. Sie ist das Kapital für den Einzelnen und unsere Gesellschaft“. Der Vorstandschaft dankte sie für die geleistete Arbeit und gratulierte dem neuen Führungsteam zur Wahl. Diese ging bestens vorbereitet vonstatten. Die Wahlperiode beträgt drei Jahre.
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